Regeln im Netz
- August 11th August 2009
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In den letzten Tagen geistern täglich Meldungen durchs mediale Sommerloch in denen eine stärkere regulierung des Internets gefordert wird. Brauchen wir tatsächlich mehr Regelungen?
Ich denke nein. Das Internet ist ein Spiegel der Gesellschaft. Das Netz als solches gibt es nicht – die Onliner bilden das Netz und dessen Inhalte. Wer das Internet Kontrollieren möchte, will dessen Nutzer kontrollieren. Aber Warum soll das Netz nun plötzlich komplett reguliert werden? Ist das ein typisch deutsches Phänomen, dass immer alles von oben bis unten Kontrolliert und durchgeplant sein muss? Nun wird von der CDU in ihrer geistigen Umnachtung sogar ein rückverfolgbarer Internetausweis gefordert.
In fast allen Meldungen wird der Eindruck erweckt, dass das Netz nur ein rechtsfreier Raum aus Schmutz, Porno, Kriminalität usw. ist. Das ist völlig falsch und soll wohl nur die nicht netzaffinen Wähler zur CDU treiben. Das Gefasel vom rechtsfreien Raum wurde nun schon mehr als wiederlegt. Rechtsanwalt Udo Vetter sagt sogar, dass man im Netz weniger anonym ist als in der “realen Welt”. Man kann “besser” verfolgen was man wann getan und geschrieben hat.
Das Internet braucht keine neuen Regelungen. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ein globales, offenes Internet ist eine große Chance für die Ganze Menschheit. Ist es tatsächlich so schlimm, dass es ein offenes Medium für alle gibt? Das gleiche Recht welches offline gilt, gilt ebenfalls im Internet. Das ist auch gut so. Deutsches Recht weltweit durchzusetzen ist schlicht nicht möglich und zerstört die Offenheit und die Dynamik – ja, den Charakter des Internets.
Was wir wirklich brauchen ist Bildung und Aufklärung. Diverse Kunstaktionen wie z.b. die Yes-Men oder ubermorgen.com- aber auch die Realität haben gezeigt, dass zu viele Menschen alles glauben was sie lesen ohne es zu hinterfragen. Jedem Nutzer muss bewusst sein, dass er und nur er die Verantwortung dafür trägt was er im Netz konsumiert und was er sich anschaut. Gesunder Menschenverstand und eine gehörige Portion Misstrauen sind ein Muss. Das Netz ist keine stumpfe Berieselung wie TV oder klassische Zeitungen. Man kann auswählen was man sich anschaut bzw. sich zumuten möchte. Wer den “Schmutz” nicht sehen möchte, sieht ihn auch nicht. Und Bildung brauchen wir anscheinend auch bei unseren politischen Entscheidungsträgern. Nicht umsonst nennt man diese spöttisch “Internet-Ausdrucker”. Die sind komplett unfähig, dass Netz und dessen Chancen zu begreifen.
Meiner Meinung nach gibt es jetzt schon zuviele Regelungen die uns davon abhalten, dass Netz richtig zu nutzen. Das restriktive Urheberrecht, die Störerhaftung, Hackerparagraph, Vorratsdatenspeicherung Videostreams die als TV-Sender gelten, das Telemediengesetz usw. Wir brauchen weder einen Internetführerschein noch eine Internetpolizei, Netzsperren, Zensur oder sonst irgendwas – wir brauchen unseren Verstand und die Bereitschaft für etwas neues. Das Netz darf nicht zu einem bunten, virtuellen Kaufhaus oder einer scheinbaren Blümchenwiese verkommen. Wir müssen den Gornys und den Internet-Ausdruckern in der Regierung entgegen treten und unsere Freiheit einfordern. Wir wollen kein auf Konsum und allgemeine verblödung getrimmtes Netz.












